TIME TO SAY GOODBYE


In dankbarer Erinnerung


Erich Macek

1933 – 2010



Erich Macek

November 1997. Mit dem zum Jubiläumskonzert umfunktionierten Jahreskonzert im Haus der Begegnung Donaustadt beendete die Blasmusik St. Georg Kagran ihr Jubiläumsjahr, in dem der 50. Geburtstag des Vereins gefeiert wurde. Doch stand nicht das Jubiläum im Mittelpunkt, sondern der Abschied des Kapellmeisters. Mit dem Konzert beendete Erich Macek seine 22 Jahre dauernde Tätigkeit am Dirigentenpult des Vereins. Doch ganz wie es sein Stil war, er hörte nicht einfach auf, sondern inszenierte seinen Abgang. Das pompöse Stück "Time to say Goodbye" war einer der meistgespielten Hits zu jener Zeit. Und schon allein die Ankündigung, dass Erich mit eben diesem Stück abtritt, erzeugte so manche Gänsehaut unter den Fans.

Begonnen hatte seine Dirigentenzeit im Verein 1974. Die Vereinsverantwortlichen hatten den Ernst der Lage erkannt, und um den Fortbestand des Vereins zu sichern, ein eigenes Jugendorchester gegründet. Erich Macek übernahm die Leitung des Jugendorchesters und auch die Ausbildung einiger Jugendlicher. Er selbst spielte ja jahrelang Trompete (und Klavier) und verfügte über eine Ausbildung am Konservatorium. 1976 übernahm Erich die musikalische Leitung des Vereins und integrierte die Musiker des Jugendorchesters.

Es folgte in den 80er Jahren die Blütezeit des Vereins. Bei den Jahreskonzerten gab es regelmäßig Platzprobleme. Auf der Bühne (wegen der damals großen Anzahl an Musikern des Vereins) als auch im Zuseherraum. Mal mussten Zuseher abgewiesen werden, mal begann das Konzert mit Verspätung weil noch zusätzliche Sessel heran gekarrt werden mussten. Das Kagran Konzert war damals ein Event. Besondere Stücke wie etwa "Moments for Morricone" oder "James Bond Selection" waren in Wien eben zu allererst in Kagran zu hören. Diese Stücke flogen Erich freilich nicht mit der Hauspost zu. Basis war eine intensive Beschäftigung mit der Materie, und zahlreiche Besuche von Konzerten anderer Kapellen - auch in den Bundesländern. Er selbst formulierte in der Festschrift zum 50-Jahr-Jubiläum "aus einem Hobby wurde Hauptbeschäftigung".

Sein Einsatz für die Blasmusik endete nicht bei den Vereinsgrenzen. Jahrelange werkte Erich als Landesjugendreferent im Wiener Blasmusikverband. Er leitete zahlreiche Jugendseminare (die damals vom Verband veranstaltet wurden), und dirigierte das Wiener Landesjugendorchester bei zahlreichen Gelegenheiten, wie das in den 70ern regelmäßig durchgeführte Treffen "Jugend und Musik in Wien". Er arbeitete mit in einer österreichweit agierenden Gruppe, die die Kriterien für das Jungmusikerleistungsabzeichen definierte, und führte dieses auch in der Wiener Blasmusikwelt ein. Einige Jahre war er auch Landeskapellmeister-Stellvertreter. Alle, die im Verband mit ihm zusammengearbeitet haben, lobten vor allem zwei seiner Eigenschaften: Einsatzfreude und Hilfsbereitschaft. Erich Macek wurde aufgrund seiner Verdienste zum Ehrenmitglied des Wiener Blasmusikverbandes, eine Ehrung, die nur an eine handvoll Personen vergeben wurde (der Verband besteht im Wesentlichen aus den Mitglieds-Vereinen).

Unter seiner Führung beteiligte sich die Blasmusik Kagran sehr stark an den Veranstaltungen des WBV. Als zum Beispiel die Veranstaltung "Faszination Blasmusik" ins Leben gerufen wurde, nahm an dieser auch eine "Big Band der Blasmusik Kagran" teil. Eine Band, die es eigentlich nie gab, und nur für diesen Anlass in den ersten drei Jahren aufgestellt wurde. Zurückgreifen konnten wir auf umfangreiches Notenmaterial, über das Erich verfügte. Nicht zuletzt, weil er in frühen Jahren eine Tanzband, das "Royal Tanzorchester" gegründet und geleitet hatte.

Erich war der Meister des Alternativprogramms. Wann immer die Blasmusik Kagran neben anderen Kapellen spielte, Erich sorgte stets dafür, dass wir zu den anderen einen Kontrast bieten und positiv auffallen konnten. Gab es ein Fest, bei dem etwa jede teilnehmende Kapelle eine halbe oder Stunde spielte, so kam es gerne vor, dass dies in einem Marsch-Polka-Einheitsbrei endete, wo die Kapellen musikalisch überhaupt nicht unterscheidbar waren (optisch vielleicht durch die Joppenfarbe). Die Blasmusik Kagran hingegen fiel bei solchen Anlässen dank Erichs Programm-Überlegungen sehr wohl mit einer anderen Art Musik auf. Oder als wir bei einem Ausflug in Tirol ein Platzkonzert gaben, wo das das einheimische Publikum ein höheres Niveau gewohnt war, weil die örtliche Kapelle dreimal in der Woche probte (im Vergleich zu uns mit einer Probe pro Woche), da war dann halt der Schwerpunkt unseres Programms auf Wiener Musik, und wir hatten Anerkennung und Applaus auf unserer Seite.

Auch sonst machten die Ideen von Erich den großen Unterschied. Stellvertretend für viele sei erwähnt, dass wir die Trio-Wiederholung im Marsch "Wien bleibt Wien" im 3/4- (also Walzer-) Takt spielen.

Auch Erichs gewidmete Kompositionen sollen nicht unerwähnt bleiben: der "Franziska Falk Marsch" für unsere Fahnenpatin, der "Albert Schultz-Marsch" für den verstorbenen Bezirksvorsteher (der seinen Marsch dann nie gehört hat), und der "Kagraner Senioren Marsch" zu Ehren des Seniorenorchesters. Dieses vorwiegend aus ehemaligen Musikern der Blasmusik Kagran bestehende Orchester, das 1987 aus Anlass des 40 Jahr Jubiläums gegründet wurde, wurde ebenfalls einige Jahre von Erich Macek geleitet.

Erich war auch ein Mann der Statistiken. Im Rahmen seiner Berichte im Rahmen der Generalversammlung gab es stets einen Teil mit Kennzahlen. So übergab er mal jedem Musiker einen Zettel mit seiner persönlichen Anwesenheit. ("Du hattest vor zwei Jahren 80% Anwesenheit, im Vorjahr noch 70%, heuer aber nur 50%, überlege Dir bitte, ob nicht das frühere Niveau wieder möglich ist").

Mit großem Eifer arbeitete er 1996 an der Vorbereitung und Durchführung der Aufnahmen einer CD zum 50 Jahr Jubiläum. Und einige Musiker munkelten bereits, "jetzt setzt er sich ein Denkmal und dann tritt er ab". So kam es dann auch, wie im ersten Absatz beschrieben.

Mit seinem Rücktritt endete aber nicht die Zeit, die er für den Verein aufgewendet hat. Bei der Weihnachtsfeier 2004 übergab er der Obfrau ein Paket mit CDs von Aufnahmen unserer Jahreskonzerte. Schon frühzeitig hatte er von allen Jahreskonzerten Tonaufnahmen erstellt, halt mittels der damals verfügbaren Technik. Und jeder Musiker erhielt dann kurz vor Jahresende zum Andenken eine Musik-Casette mit der Aufnahme. Jeder kann sich vorstellen, welchen Zeitaufwand es erfordert, 60 Kopien von Casetten zu erstellen. Nun hatte er diese auf den letzten Stand der Technik gebracht.

Sein Gesundheitszustand war schon in den letzten aktiven Jahren nicht der beste. Im Ruhestand ging es weiter bergab. Jedem kleinen Fortschritt folgte ein größerer Rückfall. Die in Todesanzeigen häufig verwendete Formulierung "nach langem schweren Leiden" trifft in seinem Fall leider völlig zu.

Am Montag, 27.9.2010 ist Erich von uns gegangen. Die ursprüngliche Idee, einen Nachruf zu schreiben, der die vielfältigen Tätigkeiten und Verdienste eines Erich Macek lückenlos beinhaltet, wurde zum aussichtlosen Unterfangen. Es gibt keinen, der den vollständigen Überblick über Erichs Leistungen hat. Daher sollen diese Zeilen auch nicht diesen Anspruch stellen, sondern sind nur der Versuch einige Aspekte des Wirkens von Erich darzustellen.

Ein außergewöhnlicher Mensch ist nicht mehr unter uns. It's time to say goodbye. Auf Wiedersehen im nächsten Leben und DANKE Erich!



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